2014/03/22

DAY 07 – Shinjuku District, Gyoen National Garden, Shibuya Shopping und Gaijin-Hunter

Frisch aufgestanden, Energie geladen und – Rückenschmerzen … Autsch. Ich glaube das Gewöhnen ans Futon-Schlafen ist ein langwieriger Prozess. Zumindest habe ich ausgiebig geschlafen und konnte die erschöpften Energiereserven wieder auffüllen.

Außerdem hatte ich gleich einen schönen Ausblick aus meinem Fenster: ein bläulicher Vogel saß die ganze Zeit da und hat mich beobachtet und sich überhaupt nicht von mir stören lassen :-) Ziemlich cool.



Der Plan für heute: Shinjuku, Gyoen National Garden und Shibuya.
Zuerst: Super Markt. Reisbällchen und Kaffee besorgen. Ersteres hatte ich ja schon gemacht, zweiteres sollte eine echte Überraschung werden. Das erste geniale in einem japanischen Supermarkt: es gibt neben einem Kühlregal (das ist ja normal) auch ein „Heißregal“ - in diesem Regal werden heiße Sachen heiß gehalten (z. B. Kaffee, Tee, etc.). Eine tolle Erfindung, die ich ehrlich gesagt in Deutschland und auch sonst nirgendwo jemals gesehen habe. Der einzige Nachteil: die meisten Getränke sind in Aluminiumflaschen oder Dosen verpackt und die sind so heiß, dass man sich daran die Finger verbrennt :P

Ich wollte aber lieber einen Eiskaffee trinken und habe das Regal durchstöbert und etwas gefunden, dass wie schwarzer Kaffee aussah. Hm, okay, das gibt’s bei uns auch nicht. Bei uns ist ja alles mit Unmengen Zucker und Milch gemixt. Hier weit gefehlt. Wenn auf der Dose schwarzer Kaffee steht ist da auch tatsächlich NUR schwarzer Kaffee drin. Und das eisgekühlt ^-^ (ich habe mich beim ersten Schluck ziemlich erschrocken, weil ich darauf nicht gefasst war – schmeckt wie Kaffee, der im Kühlschrank stand). Aber ich fand ihn trotzdem lecker.



Nach dem Frühstückssnack ging's dann los nach Shinjuku – ein modernes Viertel mit vielen Kaufhäusern, die alle sehr teure Waren anbieten. Das hat mich aber nicht davon abgehalten einfach mal die bis zu 9 Etagen jeder Kaufhauses zu besichtigen ^-^ (es ist so als würde man einen großen Wöhrl mal 10 oder 15 nehmen, dann kann man sich die Ausmaße ungefähr vorstellen)
Ich habe hier keine Fotos gemacht, da an vielen Geschäften Verbotsschilder waren und es im Prinzip ja auch nur Kaufhäuser waren).

Das spielt sich alles rund um die Shinjuku Station ab, und wenn man ein bisschen links oder rechts läuft, findet man auch bald noch mehr Geschäfte, Hochhäuser und blinkende Reklame Schilder, sowie Spielhallen und Shops diverser Art. Es ist der absolute Wahnsinn. Überall ertönt Musik, es ist laut und grell (ich glaube Nachts ist es noch viel krasser).



















Wie gut, dass zum Ausgleich, ein paar hundert Meter vom Bahnhof entfernt ein National Garten ist. Auch so eine Sache, die ich total faszinierend finde. Auf der einen Seite die Millionen Metropole mit ihren Wolkenkratzern, den Menschen, den Autos, den Geschäften – und dann ganz plötzlich steht man in einer grünen Oase und kriegt von all dem Trubel eigentlich gar nichts mehr mit. So als wäre man plötzlich in einer ganz anderen Welt. Toll, dass das hier so gut funktioniert und die Japaner trotz all ihrer Technik und Innovation den Sinn für die Natur und den Ursprung des Seins nicht verloren haben.

Und ich muss sagen, dass mir der Gyoen National Garten bisher am besten von allen Gärten gefallen hat. Man kann im Grünen laufen bis man umfällt, es gibt verschiedene Bereiche, die man erkunden kann (z. B. Mutter-Kind-Garten, japanischer Landschaftsgarten, Englischer Garten, Französischer Garten …) und überall sieht man frisch aufgeblühte Blumen und Knospen. Ich bin irgendwann mal stehen geblieben und habe durchgeatmet, was für ein tolles Gefühl (wie fast alle Gärten in Tokyo kostet übrigens auch dieser Eintritt – von dem wird die Pflege und die Instandhaltung finanziert. Mit 200 Yen (ca. 1,50 Euro) hält es sich aber wirklich in Grenzen ;-)).


























Ein Highlight des Gartens ist sicherlich das große botanische Gewächshaus. Plötzlich stand es da und ich dachte mir: „Hey, wie cool!“ Habe ich schon erwähnt, dass ich sehr gerne in botanische Gärten gehe? Hiermit erledigt ^-^ Ernsthaft: Es ist wirklich ein sehr schön konzipiertes Gewächshaus, mit einem Rundgang und vielen verschiedenen Pflanzenarten aus alle möglichen Ländern. Quasi die Oase in der Oase. 














Nachdem ich die Natur ausgiebig genossen hatte und mein im Supermarkt erworbenes Kuchenteilchen gegessen hatte (das irgendwie ein Schwamm aussah, weswegen ich es hauptsächlich gekauft hatte ^-^) bin ich dann zurück Richtung Shinjuku Station gelaufen. 



Und dann ist etwas passiert mit dem ich eigentlich gar nicht mehr gerechnet hatte …
Ich wurde das „Opfer“ eines Gaijin Hunters.

Was das ist? „Gaijin“ ist das japanische Wort für „Ausländer“. Und offenbar gibt es (gerade in den japanischen Großstädten) Japaner, die es sich zum Hobby gemacht haben, jeden anzusprechen, der ausländisch aussieht einfach nur weil er ein Ausländer ist. Nicht etwa wegen der Person an sich.

Mein Gaijin Hunter lief plötzlich neben mir und fing unvermittelt an auf Englisch mit mir zu reden – wo ich denn herkomme, wie lange ich schon in Japan bin, ob es mir gefällt, etc.
Eigentlich nichts weiter als Small Talk, aber anscheinend finden diese Menschen das toll. Da ich mich schon darauf eingestellt hatte, dass das unter Umständen passieren kann, war ich höflich und habe ein paar Worte mit ihm gewechselt. War am Anfang auch ganz lustig, zumal das Englisch von Japanern wirklich wahnsinnig schwer zu verstehen ist, aber irgendwann hat man dann einfach keine Lust mehr andauernd irgendwelche Fragen zu beantworten.

Das Gute ist: wenn man ganz nett sagt, dass man jetzt gerne alleine weitergehen möchte, ist das überhaupt kein Problem. Sie bedanken sich und sind weg und suchen sich den nächsten Ausländer. Das war schon echt strange.

Ich bin dann weiter nach Shibuya gefahren, da ich auch dort mal die Shopping Center inspizieren wollte und renne gleich im Bahnhof nichts ahnend in den nächsten Gaijin Hunter. Dieses Mal ein Mädchen, aber wieder die gleichen Fragen. Da ich nun schon wusste, wie man die schnell wieder los wird, war das auch nur eine Sache von ein paar Minuten. Puh. Da war ich plötzlich froh, dass mir das in dieser Woche nicht schon öfter passiert ist …

Eine sehr positive Begegnung hatte ich dann kurz darauf auf der Suche nach dem richtigen Restaurant zum Mittagessen. Nach einer Woche ist es gerade in den Food Courts der Kaufhäuser schon schwierig etwas zu finden, was man nicht schon wonanders gegessen hat. Und so irrte ich etwas ziellos umher, bis ich den Blick einer nett lächelnden Bedienung auffing, die mich wohl beobachtet hatte.

Ich ging also zu ihr und sah mir die Plastik-Essens-Auslage an und sie fragte mich auf Englisch wo ich denn herkomme. Als ich mit „Deutschland“ antwortete, war sie gleich völlig aus dem Häuschen und meinte, dass sie eine Freundin in Deutschland hat. Sie hat sich wirklich so gefreut, dass ich mir kurzerhand was aus dem Schaufenster ausgesucht habe und dann dort gegessen habe.

Es war sehr gut, vor allem bin ich langsam ein Fan von „Halb gekochtes Ei auf oder im Essen“. Das ist echt lecker! In der Suppe war außerdem noch Mochi (wirklich zäher, klebriger Teig), was auch sehr gut war, ich aber hinterher wusste, wieso daran ab und zu mal Leute ersticken ^-^



Danach war ich auf jeden Fall pappsatt und habe bezahlt. Als ich schon aus dem Restaurant raus war, hörte ich eine Stimme hinter mir. Als ich mich umgedreht habe, stand da wieder die freundliche Bedienung, die sich unbedingt noch persönlich von mir verabschieden wollte. Sie hat mir ganz energisch die Hand geschüttelt, sich gefühlte hundert mal bedankt und verbeugt und mir dann noch eine gute weitere Reise gewünscht. Ich war total sprachlos und wusste erst mal gar nicht, was ich sagen sollte. So was habe ich auch noch nie erlebt. Einfach nur eine super schöne Erfahrung.

Selbst als ich auf den Weg zum Aufzug war, habe ich mich noch mal kurz umgedreht und da stand sie tatsächlich immer noch und hat sich abermals verbeugt. Da wäre ich am liebsten noch mal zurückgegangen und hätte sie gedrückt. Wirklich ein sehr ergreifender Moment. Aber es zeigt doch noch mal sehr schön, wie die Leute in Japan so ticken. Uh, Gänsehaut :-)



Auf jeden Fall sind die Shopping Center in Shibuya genauso teuer wie die in Shinjuku, zumindest wenn man direkt in die großen an den Bahnhöfen geht (hier z.B. das Hikarie). Mir ist dann aber eingefallen, dass es noch ein Kaufhaus gegenüber vom Bahnhof mit Namen „109“ gibt, das Klamotten, Schuhe und Accessoires NUR für Mädchen hat. Ich bin jetzt nicht so der Shopping Freak, aber das musste ich mal gesehen haben.

Oh mein Gott … ich kann es kaum in Worte fassen, aber ich muss, denn ich habe hier keine Fotos machen dürfen ^-^ Es gab insgesamt 9 Etagen plus 2 Tiefgeschosse. Von Etage zu Etage wurden die Klamotten krasser und die Musik lauter und auch das Klientel immer wundersamer. Tokyo ist wirklich eine Fashion Metropole ohne Gleichen. Man kommt sich als Tourist egal wo man gerade ist, immer under-dressed vor. IMMER.
Wer also einen ausgeprägten Sinn für Mode hat, sollte mal hier vorbeischauen – allein das Erlebnis mal in einem solchen Kaufhaus gewesen zu sein, ist einen Besuch wert.

Irgendwann war es dann dunkel und ich wollte nur noch aus dem Shopping Trubel raus. In der Nähe des Hotels habe ich mir dann noch eine Beef-Bowl geholt – auch ein Fast Food Gericht, allerdings soll das überall schmecken und das tat es tatsächlich ^-^ (am krassesten war der Preis: eine mittelgroße Schüssel hat gerade mal um die 3 Euro gekostet … Wahnsinn.)



Jetzt bin ich vollgestopft mit lauter guten Sachen und glaube, dass ich vor lauter Verdauungsvorgängen gar nicht zum Schlafen komme ^-^“ Morgen sollte ich dann aber fit sein: Es geht noch mal nach Shibuya bzw. in die Gegend zwischen Shibuya und Shinjuku. Dort ist der Yoyogi Park in dem es einen großen Schrein gibt (Meiji Schrein). Und angeblich soll da morgen ein Frühlingsfest sein – da bin ich mal gespannt. Falls ja, heißt das wieder Essen probieren bis zum abwinken ;-)

Bis demnächst!



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